Der Weg der Bereinigung


Jahrhunderte lang haben Gelehrte, Eroberer, Erfinder, Könige und Philosophen den Stein des Weisen gesucht – meistens im Äußeren – und ihn nicht gefunden. Dichter und Musiker haben ihn gepriesen und besungen und dennoch die Menschen nicht zu ihm zu führen vermocht.
Und dabei ist der Stein des Weisen, der Schlüssel zur Vollkommenheit, nichts weiter als der Weg der Bereinigung alles Negativen in und durch uns, und dadurch das Wiedererwecken des reinen edlen Wesens in jedem Menschen, das noch immer den „Dornröschenschlaf“ im gläsernen Sarg schläft und der Erlösung harrt.

Welches sind denn nun die Stationen dieses Weges der Bereinigung, der zur Vollkommenheit führen soll?

Es sind sieben Etappen oder Strecken, die wir als Menschen beherzigen müssen, um der Vollkommenheit näher zu kommen: Das Sich-Hinterfragen, die Selbsterkenntnis, das Bereuen, die Bitte um Vergebung, das Vergeben, die Wiedergutmachung und das Nicht-Mehr-Tun.

1. Die Frage
Wer keine Fragen stellt, wird keine Antworten erhalten!
Wer sich selbst nicht in Frage stellt, wird nie wissen, was er an sich ändern kann und soll. Er wird den Sinn seines Lebens nie erfahren und vergeudet seine wertvolle Zeit! Am Anfang eines jeden inneren Schrittes, einer jeden geistigen Entwicklung, einer jeden Veränderung in Richtung des verantwortungsbewussten Erdenbürgerseins stehen Fragen: Wer bin ich? Wie verhalte ich mich? Warum geschieht mir dies? Was kann ich ändern – und was muss ich hinnehmen; und wie unterscheide ich das eine vom andern? Was kann ich lernen?
Haben wir keine Fragen, dann tröpfelt das Leben so vor sich hin, bis wir eines Tages durch unser eigenes Schicksal die Lektion vorgesetzt bekommen und lernen müssen. Wir sind jedoch bekanntlich unseres „eigenen Schicksals Schmied“. Also stellt sich schon wieder eine Frage: Was schmieden wir Tag für Tag, für uns, für unsere Mitmenschen, für die Umwelt?

2. Die Erkenntnis
Über dem Eingang zum Apollo-Tempel in Delphi steht die Inschrift „Nosce te ipsum!“, was bedeutet: „Erkenne Dich selbst!“ Die Erkenntnis seiner selbst bleibt keinem erspart. Früher oder später, leichter oder schwerer, gelinder oder schmerzlicher, sachter oder unerbittlicher geht irgendeinmal unsere Saat auf und wir werden uns fragen: Warum?
Die Antwort lautet: Erkenne Dich selbst! Nur die Erkenntnis ermöglicht uns, einen neuen Schritt einzuleiten, eine Kurskorrektur vorzunehmen, uns weiterzuentwickeln, uns zu vervollkommnen. Ohne Erkenntnis – keine Evolution. Ohne Evolution – kein Leben; dann sind wir die geistig Toten. – Ist das unser Lebensziel?

3. Die Reue
Wenn wir uns schonungslos hinterfragen (und das sollten wir, wenn wir einen relevanten Beitrag zum verantwortungsbewussten Erdenbürgersein leisten wollen), dann werden wir immer wieder auf das stoßen, was wir so gerne nicht ansehen wollen: Unser Negatives. Aber mit genau diesem Negativen in und an uns, haben wir die Beziehung zu unseren Mitmenschen gestört, auch zur Natur und zu den Tieren. Wir haben rücksichtslos unsere Geschäftspartner übervorteilt, gedankenlos unseren Mitmenschen Leid zugefügt, verantwortungslos die Natur ausgebeutet und erbarmungslos unsere Mitgeschöpfe, die Tiere gequält und ermordet.
Wenn wir uns wahrhaftig und mit offenem Herzen hinterfragen und unser wahres niederes Tun aufdecken, dann wird der Schmerz über die vollbrachten Schandtaten nicht ausbleiben und in uns wird die tiefe Reue aufkeimen:

• Wie hat unser Mitmensch unter unserem Verhalten gelitten; in welche innere Not haben wir ihn vielleicht gar gestürzt!

• Wie sehr haben wir die Tiere betrogen, durch unsere scheinheilige Fürsorge, um sie schließlich doch dem Schlächter zu überantworten und dann ihre Leichen zu verzehren!


Aber Reue hat mit Selbstmitleid und Selbstzerfleischung nichts gemeinsam. Reue heißt, tief im Innersten einen Fehler zu erkennen und ihn einzugestehen. Sie ist die Voraussetzung für einen echten Wandel. Echte Reue löst Hass und Feindschaft und bereitet den Boden für wahren Frieden. Selbstmitleid hilft niemandem, sondern führt auf Abwege und endet schließlich in der Depression.
Wie gelangen wir nun aber zur Reue?
Vielleicht sollten wir einmal mit dem einen oder anderen betroffenen Menschen offen sprechen, um zu erfahren, wie sehr unser Stachel in seinem Herzen schmerzt.
Vielleicht sollten wir einmal einen Schlachthof besuchen und miterleben, wie die Tiere sich am Haken vor Schmerzen brüllend aufbäumen und langsam einen fürchterlichen, qualvollen Tod erleiden.
Erst wenn die Reue unser Inneres aufwühlt und erweicht, wenn wir mit echter innerer Bewegung, ja Bestürzung, den Schmerz nachvollziehen, den wir anderem Leben zugefügt haben und in uns die beherzte Entschiedenheit aufkeimt, so etwas nie wieder zu tun – erst dann ist der Boden für eine wirkliche Veränderung, für eine Veredelung unseres Charakters bereitet.
Entscheiden wir uns nur aus dem Kopf, vielleicht weil es sich gut anhört, oder „weil es sich gehört“, so haben wir noch nichts vollbracht. Voraussetzung ist dieser tiefe innige Wunsch, unser Verhalten zu ändern – nicht, weil man es von uns verlangt, sondern weil wir es wollen!

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4. Die Bitte um Vergebung
Hat uns dieser Schmerz erst einmal in der Tiefe erreicht, uns mitempfinden lassen, wie es dem anderen durch uns ergangen ist, dann wird uns auch nichts mehr davon abhalten können, uns zu entschuldigen und von Herzen um Vergebung zu bitten. Die echte Reue macht uns weich und der Betroffene spürt, dass er uns vergeben kann, weil wir nicht mehr die Alten sind. Ohne diese echte Reue wird er uns nicht glauben, dass es uns mit der Bitte um Vergebung Ernst ist. Es braucht also nicht viele Worte, sondern echtes Empfinden.

5. Die Vergebung
Hat der Mensch erst einmal bei sich selbst erkannt, wie er sich anderen gegenüber verhalten hat und wieviel Leid oder Kummer er ihnen dadurch zugefügt hat, dann fällt es ihm immer leichter, auch seinen Mitmenschen ihre Fehler zu vergeben und ihnen nichts nachzutragen. Durch diese Bitte um Vergebung und die herzliche echte Vergebung entsteht allmählich wahrer Friede unter den Menschen und unter den Völkern. Aber wir erkennen daraus auch, dass Frieden nicht von selber wird, und dass wir nicht den Lieben Gott um Frieden auf der Erde bitten können. Wir müssen diesen Frieden in und um uns wiederherstellen durch den Weg der Bereinigung.
Kein Priester, kein Theologe, kein Heiliger und kein Mann Gottes kann uns diese Arbeit abnehmen und keine äußere rituelle Handlung und kein Opfergroschen wird uns den Bußgang zum Herzen unseres Mitmenschen, unserer Tiere und der Mutter Erde ersetzen.

6. Die Wiedergutmachung
Es gibt Dinge, die lassen sich nicht wiedergutmachen, denn oft ist das, was wir mutwillig oder fahrlässig zerstört haben, nicht wieder zu neuem Leben zu erwecken oder zu reparieren. Darum heißt es auch im lateinischen Sprichwort: „Was immer es sei, handle weise und achte auf das Ende!“ Oftmals aber wird uns die Chance gegeben, durch einen Akt oder eine Geste der Versöhnung etwas wieder in Ordnung zu bringen und somit Frieden zu stiften.
Überlegen wir doch einfach einmal, wie wir uns fühlen, wenn uns jemand verletzt oder geschadet hat und er sich dann bemüht, die Verletzung oder den Schaden zu kompensieren. Oft wirken solche Versuche der Wiedergutmachung Wunder, und wir sollten auf dem Weg der Bereinigung nichts unversucht lassen.
Natürlich fragt sich jetzt mancher: Wie können wir wieder gutmachen, wenn wir jahrzehntelang Natur und Tiere misshandelt oder deren Misshandlung stillschweigend geduldet haben, oder wenn viele Tiere unseretwegen getötet wurden, weil wir ihr Fleisch gekauft haben? Dazu müssen wir wissen: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Jeder kann vieles wieder gutmachen, wenn er wirklich möchte und genau darauf kommt es nämlich an: Das wirkliche Wollen!

Bild: Die Internationale Gabriele-Stiftung beispielsweise ist eine Einrichtung, deren öffentlich erklärtes Ziel es ist, an Natur und Tieren das wieder gutzumachen, was ihnen die Menschen seit Jahrhunderten, ja Jahrtausenden, angetan haben und immer noch antun. Es sind erste beispielhafte, aber nachahmenswerte Schritte in eine neue Richtung, und wenn viele sich ideell und materiell zusammenschließen, dann wird ein neuer Planet erblühen.
Das ist endlich einmal echter Natur- und echter Tierschutz mit weittragenden Konsequenzen. Zweiflern wird das Wort hierzu nicht mehr erteilt – sie hatten während der letzten 7000 Jahre das Sagen ...

7. Das Nicht-Mehr-Tun
Alte Programme können immer wieder aktiviert werden, wenn sie nicht gelöscht werden. Das weiß jeder Computerfachmann und Anwender. Unerwünschte Programme müssen aus dem Speicher entfernt werden!
Beim Menschen ist es nicht anders. Wenn wir unsere alten Programme der Selbstsucht und Raffgier, der Gefallsucht und des eitlen Wähnens nicht löschen, laufen wir immer wieder Gefahr, sie neu zu aktivieren. Und wir können uns noch sosehr bemühen, etwas nicht mehr zu tun, was wir uns jahrelang angewöhnt haben - wir werden immer wieder zurückfallen. Also müssen wir uns buchstäblich umprogrammieren, wie einen Computer. Wir müssen uns überlegen, wie das neue Programm heißt, müssen es vollkommen verinnerlichen und so das alte Programm aus unserem Unterbewusstsein allmählich löschen.
Dazu ist es sehr nützlich, eine Art Tagebuch zu führen, um sich die täglichen Entscheidungen zu notieren und immer und immer wieder nachzulesen, bis sie greifen. Wir dürfen mit dem neuen „Programm“ nicht locker lassen und müssen es uns täglich vor die Augen halten, eventuell sogar mit kleinen Memo-Kärtchen am Arbeitsplatz, am Kühlschrank, im Auto – sonst wird aus den neuen Vorsätzen nichts. Wir erinnern uns an das englische Sprichwort: „The way to hell is paved with good intentions“, also „Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert“.

Das Alte nicht mehr tun heißt, etwas Neues tun


Was ist es? – Fängt unsere Fantasie da nicht an zu sprudeln, was wir alles zum Bessern verändern könnten, auch wenn das eine oder andere vielleicht etwas schwierig ist?

• Ich werde mich nicht mehr über meine Mitmenschen stellen, sondern versuchen, Verständnis für sie zu entwickeln!

• Ich werde keine Sündenböcke mehr suchen und Schuldzuweisungen aussprechen, sondern in jeder Schwierigkeit, meinen eigenen Anteil daran suchen und in Ordnung bringen!

• Ich gehe auf meine Mitmenschen zu und bemühe mich bei Schwierigkeiten um eine friedliche Lösung, wobei ich auch aussprechen kann, womit ich mich schwer tue oder was mich verletzt hat. So erlangt auch mein Partner Verständnis für mich.

• Wenn ich einen Fehler gemacht oder einen Kollegen verletzt habe, lasse ich keine lange Zeit verstreichen, bis ich mich entschuldige. Zuerst überlege ich, warum ich dies getan habe, dann versöhne ich mich mit meinem Kollegen.

• Ich bin in Familie und Beruf ein "fairer Spieler". Ich strebe die Offenheit an und führe meine Mitmenschen nicht hinters Licht, da ich selbst auch nicht übervorteilt werden möchte.


Ein paar Beispiele, wie solche "Neuprogrammierungen" beginnen könnten. Die Details muss natürlich jeder selbst ausarbeiten. Aber das ist nicht das Schwierigste.


DAS SCHWIERIGSTE UND ENTSCHEIDENDE IST, SICH EINEN RUCK ZU
GEBEN UND - ZU BEGINNEN!


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