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Ethik und Moral in der Schule


„Wer lehrt, ohne im Lernenden Wissensdurst zu entfachen, hämmert kaltes Eisen!“ (Sprichwort)

„Pauker“ haben in keiner Generation eine positive Spur hinterlassen. Der Lehrer, der es zustande bringt, in den Schülern die Neugier und die Faszination für das bislang Unbekannte und Unverstandene zu wecken, der hat nicht nur die Schüler für den Unterricht gewonnen, sondern einer Gruppe von jungen Menschen das kontinuierliche Lernen schmackhaft gemacht, ohne welches sie im Leben ohnehin nicht bestehen können.

Der Säugling lernt über seine Sinnesorgane, die Augen, die Ohren, die Nase, den Mund und die Finger. Jede Wahrnehmung ist für dieses kleinste Geschöpf ein Lernprozess, der es ihm erlaubt, sich im Leben dereinst zurechtzufinden.

Im Spiel setzt sich dieser Lernprozess beim Kind weiter fort. Ob Bauklötze, Wasserfarbe, Modelleisenbahn oder Gitarre – das Kind nimmt eine Herausforderung zum Lernen an und entwickelt so Talente und Fähigkeiten, Ideenreichtum, Kreativität, Eigenständigkeit und Regsamkeit. Es bereitet sich auf diese Weise auf ein dynamisches Leben vor.

Wer den Jüngsten und Heranwachsenden das Lernen vergällt, sie durch militärische Autorität neurotisch macht oder durch antiautoritäre Gleichgültigkeit zu verantwortungslosem Handeln anregt – der macht sich grenzenlos schuldig! Denn: „Was Hänschen nicht lernt – lernt Hans nimmermehr!“, und was in diesen frühen Kindesjahren verbogen und verstümmelt wurde, kann im Erwachsenenalter oft kaum mehr aufgerichtet und ausgebaut werden.

Was der Arzt für den Patienten ist, das ist der Lehrer für den Schüler. Der Arzt macht den Patienten nicht gesund, er kann ihm jedoch helfen, seine Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Der Lehrer lernt nicht für das Kind, aber er hilft ihm, seinen Wissensdurst zu entfachen.
Dabei sollte der Lehrer ein Verständnis für die Wesensart und das Temperament der Kinder haben, denn sonst redet er zwar beim einen Kind direkt ins Herz, beim anderen aber an eine Wand. Die Temperamente des Sanguinikers, des Cholerikers, des Melancholikers und des Phlegmatikers müssen wertungsfrei verstanden werden, auch wenn sie heute in der Umgangssprache fälschlicherweise und aus Unwissenheit oft abwertend angewendet werden.

Der Lehrer als liebevolle Autorität im Unterricht ist eine unentbehrliche Voraussetzung für jeden Lernenden: Der treue ältere Freund, der hilfreiche Begleiter, der geduldige „Weise“ an der Seite des „Novizen“; der Schüler muss die Geborgenheit im Lernprozess mit seinem Lehrer fühlen können, dann wird der Schulunterricht zur Lebensschule und wie automatisch werden auch Ethik und Moral vermittelt.

Lehrer sein, Schulunterricht erteilen – das ist kein Job! „Der Lehrer ist ein Künstler und die Pädagogik eine Kunst“ (Rudolf Grosse). Es ist eine bedeutungsvolle Aufgabe, die ein hohes ethisch-moralisches Verantwortungsbewusstsein voraussetzt. Und Lehrer wie auch Eltern sollten diszipliniert an sich selbst arbeiten, wenn sie eine standhafte und verantwortungsbewusste Generation heranbilden wollen.

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