 Was gab den Anstoß zu dieser Web-Seite?Im September 2002 fand in Vancouver, Kanada, die erste „Global Citizenship Conference“ statt, was man frei mit „Konferenz für Erdenbürgersein“ übersetzten könnte. Zu dieser Konferenz schrieben sich nahezu eintausend Teilnehmer aller Altersgruppen und Nationalitäten ein. Ihnen allen war es ein Anliegen, gemeinsam einen Konsens zu finden, was aus den schrecklichen Ereignissen des Vorjahres, nämlich des 11. Septembers 2001, zu lernen sei und wie wahres Erdenbürgersein, also globales Verantwortungsbewusstsein, auf diesem Planeten erreicht werden kann. In überschaubaren Arbeitsgruppen wurden die Teilnehmer aufgefordert, Empfehlungen und Vorschläge an die Konferenzveranstalter zu formulieren, die anschließend sowohl im Lehrplan der Universität von British Columbia (UBC) wie auch im täglichen Leben der Teilnehmer umsetzbar seien.
Die Mehrheit der Anwesenden kam zum Schluss, dass eine dauerhafte Besserung der globalen Situation nur möglich ist, wenn die Bewohner des Planeten ihr Tun und Handeln, ja ihr Denken und Empfinden wieder auf eine Basis von Ethik und Moral ausrichten.
Gerade die in großer Zahl vertretene junge Generation ließ erkennen, dass sie bereit ist, Verantwortung für die drängenden Aufgaben zu übernehmen. Aber aus ihren Reihen ist auch deutlich zu vernehmen, dass sie auf die Hilfe und Unterstützung der älteren und erfahreneren Generation – auf ihre tatkräftige Begleitung bei der Erfüllung dieser verantwortungsvollen Aufgabe – angewiesen ist und sie wünscht sich, dass ihre Sorgen und Bedenken ernst genommen werden.
Dass diese junge Generation voller Tatendrang beginnt, sich weltweit bemerkbar zu machen ging im Jahre 1992 deutlich hervor, als die damals 12-jährige Kanadierin Severn Cullis-Suzuki an der Vollversammlung der Weltgipfelkonferenz in Rio Centro, Brasilien, das Rednerpult betrat und ihre Stimme zu den Hunderten von Abgeordneten erhob:  „Guten Tag,Ich heiße Severn Suzuki und ich spreche für die E.C.O. - die „Environmental Children's organization“. Wir sind eine Gruppe von Zwölf- und Dreizehnjährigen von Kanada und wir wollen versuchen, etwas zu verändern: Wir sind Vanessa Suttie, Morgan Geisler, Michelle Quigg und ich.
Wir haben Geld gesammelt, dass wir die 9500 Kilometer lange Reise unternehmen konnten, um Ihnen, sehr verehrte Erwachsene, zu sagen, dass sich an Ihrer Haltung etwas ändern muss. Wenn ich heute hierher komme, dann tue ich dies ohne verborgene Absicht. Ich ringe um meine Zukunft - denn wenn ich meine Zukunft verliere, ist das nicht so, wie wenn man eine Wahl verliert oder an der Börse einige Punkte. Ich bin hierher gekommen, um für alle zukünftigen Generationen zu sprechen.
Ich bin hier, um für die verhungernden Kinder der ganzen Welt zu sprechen, deren Schreie niemand hört. Ich bin hier, um für die unzähligen Tiere zu sprechen, die rund um den Erdball sterben müssen, weil sie keinen Lebensraum mehr finden. Wir alle können es uns nicht mehr leisten, nicht angehört zu werden.
Ich habe Angst in die Sonne hinaus zu gehen, weil die Ozonschicht Löcher aufweist. Ich habe Angst die Luft einzuatmen, weil ich nicht weiß mit welchen Chemikalien sie verseucht ist.
Früher bin ich mit meinem Vater oft fischen gegangen, bis wir vor einigen Jahren die Fische voller Geschwüre fanden. Und jetzt hören wir, dass täglich viele Tiere und Pflanzen aussterben - sie verschwinden für alle Zeiten.
In meinem Leben habe ich oft davon geträumt, die großen Wildherden zu sehen, den Dschungel und die Regenwälder, die voll sind mit Vögeln und Schmetterlingen. Aber jetzt frage ich mich, ob sie überhaupt noch da sein werden, damit sich meine Kinder eines Tages über sie freuen können.
Haben Sie sich über diese kleinen Dinge Sorgen machen müssen, als Sie in meinem Alter waren? All dies ereignet sich vor unseren Augen, und doch benehmen wir uns, als ob wir beliebig viel Zeit und alle Lösungen hätten.
Ich bin nur ein Kind und habe nicht alle Lösungen, aber ich möchte, dass Sie verstehen - Sie auch nicht!
Sie wissen nicht, wie man die Ozonlöcher flickt.
Sie wissen nicht, wie man den Lachs wieder dazu bringt, einen toten Fluss hinauf zu schwimmen.
Sie wissen nicht, wie man ein ausgestorbenes Tier wieder zurückbringt.
Und Sie können auch nicht die Wälder zurückbringen, die einmal da standen, wo heute Wüste ist.
Wenn Sie also nicht wissen, wie man dies alles repariert, dann hören Sie doch bitte auf, alles kaputt zu machen!
Hier sind Sie vielleicht Delegierte Ihrer Regierungen, Geschäftsleute, Organisatoren, Reporter oder Politiker - aber in Wirklichkeit sind Sie Mütter und Väter, Brüder und Schwestern, Tanten und Onkels - und Sie alle sind jemandes Kind.
Ich bin nur ein Kind, aber ich weiß, dass wir alle Teil einer Familie sind, fünf Milliarden von uns, und zwar 30 Millionen verschiedene Arten - und wir alle teilen miteinander die gleiche Luft, das Wasser, den Boden - Regierungen werden dies niemals ändern. Ich bin nur ein Kind, aber ich weiß, dass wir da alle miteinander drinstecken und dass wir uns wie eine einzige Welt verhalten sollten auf dem Weg zu einem einzigen Ziel. Trotz meiner Empörung bin ich nicht blind und, auch wenn ich mir Sorgen mache, habe ich keine Angst, der Welt zu sagen, wie ich mich fühle.
In meinem Land produzieren wir sehr viel Müll, wir kaufen und werfen weg, kaufen und werfen weg, und dennoch sind die nördlichen Länder nicht bereit, mit den Bedürftigen zu teilen. Sogar wenn wir mehr als genug haben, befürchten wir trotzdem, einiges von unserem Wohlstand zu verlieren, haben wir Angst, zu teilen.
In Kanada haben wir ein privilegiertes Leben mit reichlich zu Essen, Wasser und Unterkunft - wir haben Uhren, Fahrräder, Computer und Fernsehgeräte. Vor zwei Tagen waren wir entsetzt, als wir mit Kindern zusammen waren, die hier in Brasilien auf der Straße leben. Und ein Kind sagte zu uns: „Ich wünschte, ich wäre reich; dann würde ich allen Straßenkindern zu essen, Kleider, Medikamente, Unterkunft, Liebe und Zuneigung geben.“ Wenn ein Kind in der Straße, das nichts hat, bereit ist, zu teilen, warum sind dann wir, die alles haben, so geizig? Ich muss immer daran denken, dass diese Kinder mein Alter haben und dass es ein riesiger Unterschied ist, wo man geboren wird. Ich könnte eines dieser Kinder in den Slums von Rio sein; ich könnte eines der Kinder sein, das in Somalia verhungert; ein Opfer des Krieges im Mittleren Osten oder ein Bettler in Indien.
Ich bin nur ein Kind, aber ich weiß, dass wenn all das Geld, was für Kriege ausgegeben wird, dafür verwendet würde, die Armut zu beenden und Antworten für die Umweltbelastungen zu finden - was für ein wunderbarer Ort wäre diese Erde!
In der Schule, ja sogar im Kindergarten, lehren Sie uns, dass wir uns in der Welt anständig benehmen sollten:
- nicht mit anderen zu streiten
- Dinge gemeinsam aufzuarbeiten
- einander zu achten
- unsere Unordnung aufzuräumen
- andere Lebewesen nicht zu quälen
- nicht gierig und geizig zu sein
aber warum gehen Sie dann hin und tun gerade das, von dem Sie uns sagen, dass wir es nicht tun sollen?
Vergessen Sie nicht, warum Sie zu dieser Konferenz gekommen sind, für wen Sie dies tun - wir sind Ihre eigenen Kinder.
Sie entscheiden, in was für einer Art von Welt wir aufwachsen werden. Eltern sollten in der Lage sein, ihre Kinder zu trösten, indem sie sagen: „Alles wird gut sein“, „wir machen das beste, was wir können“ und „es ist nicht das Ende der Welt“. Aber ich fürchte, das ist nicht mehr das, was Sie uns sagen können. Sind wir überhaupt noch auf Ihrer Prioritätenliste? Mein Vater sagt immer: „Du bist das, was Du tust - nicht das, was Du sagst“. Nun, das was Sie tun, bringt mich nachts oft zum Weinen. Die Erwachsenen sagen, dass sie uns lieben. Ich fordere Sie auf: Bitte lassen Sie Ihren Worten entsprechende Taten folgen!
Danke für Ihre Aufmerksamkeit.“ |
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