Das Hinterfragen unserer Worte Wir müssten alle einmal eine Aufzeichnung unserer Gespräche eines einzigen Tages anhören – die meisten wären wahrscheinlich schockiert über einige ernüchternde Erkenntnisse.
Wir plappern täglich stundenlang über unnötige Dinge, nur um uns abzulenken von unserer eigenen Langeweile oder um unserem Zuhörer irgendetwas zu beweisen, das er dann von uns halten soll.
Wir verbringen viel Zeit, um unsere Meinungen zu vertreten, andere zu überzeugen und das, was sie vermeintlich falsch verstanden haben, ins rechte Licht zu rücken. So arbeiten wir oft haarscharf an einer „kriegerischen“ Auseinandersetzung vorbei. Natürlich gestehen wir uns dies im Augenblick nicht ein – aber es ist trotzdem so; es wäre oft gut, wir könnten unsere Gespräche auf Tonband nachhören.
Oder wir beginnen, dem anderen zu schmeicheln. Wir reden unseren bevorzugten Mitmenschen nach dem Munde, sind ganz ihrer Meinung und gehen immer konform mit der gerade günstigsten „Großwetterlage“ im Betrieb oder in der Verwandtschaft. Ganz besonders im trauten Ehe- oder Partnerschaftsbereich, wenn wir bei unserem Partner etwas für uns erreichen wollen. Dann ist selten genug Honig auf unseren Worten. Haben wir uns noch nie dabei ertappt? Haben wir noch nie überlegt, dass solches Verhalten eigentlich unehrlich und treulos ist?
Und schließlich kommt der zeitraubende Teil jener Gespräche, die mit dem Reden und Tratschen über Dritte zu tun haben – der ausgiebigste und am meisten geliebte Zeitvertreib, sei es nun im Familienkreis, an der Kaffeebar, von Fenster zu Fenster über die Straße, in der kleinen Nische, wo's der Chef nicht sieht – oder in den unzählbaren Veröffentlichungen der Regenbogenpresse, die unerschöpflich plappern, kolportieren, und alle möglichen sinnlosen Gerüchte verbreiten. Da ziehen alle dann frisch vom Leder gegen die Anderen, die ja so schrecklich unvollkommen sind. Und selbst kommt man sich durchaus als das Inbild des souveränen Erdenbürgers oder unverzichtbaren Angestellten vor, ohne den gar nichts mehr gehen würde. Ist doch so, nicht? Achten Sie drauf, beobachten Sie sich – Sie werden sich bald ertappen! Doch: So sind und werden wir keine verantwortungsbewussten Erdenbürger.
Sagen Sie nicht: Mit solchem „Pipifax“ kann man die Welt nicht verändern. Oh doch! Erinnern Sie sich an die Worte von Michelangelo: „Kleinigkeiten führen zur Vollkommenheit – aber die Vollkommenheit ist keine Kleinigkeit!“ Wir können die großen ethisch-moralischen Aufgaben dieses Planeten erst in Angriff nehmen, wenn wir selbst zu integren ethisch-moralischen Erdenbürgern geworden sind. Ist doch eigentlich klar!
Hinterfragen wir daher unsere Worte, dann werden wir bald entdecken, wo sie uns hinführen: Zu unseren Unsicherheiten, unseren Schwächen, die wir nicht eingestehen wollen (die aber die meisten Menschen um uns herum längst entdeckt haben und sich heimlich darüber lustig machen ...), zu unseren Vorurteilen, unseren fixen Ideen, unserer Bequemlichkeit und Erwartungshaltung, zu unserem Eigenwillen und unserer Falschheit.
Damit können wir arbeiten!
Wenn wir uns entdeckt haben und erkannt haben, was unseren Worten zugrunde liegt, dann können wir Gegensteuer geben, um der ethisch-moralischen Schleuderfahrt ein Ende zu bereiten. Haben wir die Schwäche oder das Fehlverhalten bei uns benannt, dann wissen wir auch, was wir uns für die Zukunft vornehmen können, um den Fehler zu beheben. So werden wir ganz allmählich neue Menschen – nicht von selbst, sondern durch die disziplinierte Arbeit an uns selbst. Tun wir das in jungen Jahren nicht, dann werden wir mit zunehmendem Alter intoleranter und verschrobener und unsere Gespräche sprudeln dann von Vorwürfen und Abwertungen. Wandel ist dann unmöglich geworden.
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